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Tethys, die Göttin der Hässlichkeit

Diese Sage nach griechischem Vorbild verfasste Greta (Kl. 5a) im Rahmen des Deutschunterrichts. Wir beschäftigten uns eingehend mit dem Thema und lernten viele verschiedene griechische Götter kennen, lasen einige Sagen und lernten, was einen Mythos ausmacht. Auch konnten wir einige freie Texte verfassen, was uns viel Spaß machte.

Als nächstes werden wir uns anlässlich des Jubiläumsjahres von Fontane mit seinen Gedichten auseinandersetzen. Wir sind gespannt!

Jetzt aber viel Lese-Vergnügen mit der Sage von Greta!

Bis bald! Eure 5a


THETHYS, DIE GÖTTIN DER HÄSSLICHKEIT

Momos, der Gott des Tadelns und Nörgelns, hatte an Zeus herum genörgelt und wurde bestraft. Doch er konnte nicht aufhören und nörgelte eines Tages: „Hera lügt! Also Hera ist niemals die Schönste. Allein schon wegen ihres Haares. Pallas Athene ist aber noch hässlicher. Die Schönste ist Tethys mit ihrem bläulichen Haar. Viel schöner als das braune von Hera oder das strohblonde von Pallas Athene.“

Tethys war sehr geschmeichelt, doch Hera und Pallas Athene verfluchten Momos und Tethys. Das bemerkte auch Zeus, da seine Frau nun immer 18 Stunden vor dem Spiegel stand. Das nervte Zeus und er wollte Momos dafür bestrafen. Er verwandelte sich in Tethys und flog auf die Erde zu Momos. 

Als er ankam, versteckte er sich hinter einer Hecke. Da packte ihn jemand und zog ihn aus dem Gebüsch. Zeus, in der Gestalt von Tethys, guckte hoch und erblickte Momos, der ihn angrinste. Momos zog „Tethys“ zu einer Höhle. Dort stand ein wunderschöner Thron mit vielen Gesichtern darauf. 

Momos verkündete: „Und?“ 

Zeus guckte nur. 

„Na? Wie findest du ihn?“

„Ich, ich, ich finde, dass er Zeus gefallen wird!“

„Aber der ist nicht für Zeus. Ich habe ihn für dich, die schönste aller Göttinnen von Hephaistos anfertigen lassen! Heute stimmt etwas nicht mit dir. Du siehst nicht so schön aus wie sonst.“

„Mir geht es auch nicht so gut“, murmelte „Tethys“ und flog zurück auf den Olymp.

Zeus, wieder in seiner Gestalt, zürnt Momos: „Eine Frechheit sage ich, so eine Frechheit“! Zeus stampfte, dass die Erde erbebte. „Das kann wohl nicht wahr sein! Momos macht einen Thron für Tethys aber nicht für mich? Ich werde ihn dafür bestrafen.“

Zeus ließ Momos holen. Der nörgelte: „Aua, kneift doch nicht so!“

„Momos, ich habe eine Aufgabe für dich“, erklärte Zeus Momos, als er vor ihm stand. „Die Giganten und hundertarmigen Riesen sind aus dem Tartaros ausgebrochen und ich schicke dich, Momos, sie zurückzubringen.“

„Ich, aber Zeus, das geht doch nicht!“

„Du machst das, sonst bestrafe ich dich! Und jetzt, geh!“

So ging Momos zum Tartaros und guckte hinunter: „Dreckig hier! Zeus hatte so unrecht. Ihnen geht es nicht gut hier. So dreckig.“ Da legte sich eine kühle Frauenhand auf seine Schulter. Er drehte sich um und schaute in Heras Gesicht, die ihn kühl anstarrte. Momos schluckte hörbar. Hera grinste spöttisch und meinte: „Oh Momos, findest du nicht, dass du dich geirrt hast?“

„Nein, Hera, du bist und bleibst nicht die Schönste!“

„Ah, so meintest du das“, sagte Hera und trat einen oder auch drei Schritte näher. Dann fragte sie mit einem bedrohlichen Unterton: „Du willst Tethys nicht zum Feind?“

„Nein, ich finde dich hässlich.“

Da kam ein großer Wind auf und schleuderte Momos in den Tartaros. Hera rief ihm nach: „Du legst dich mit der falschen an, Momos!“ Dann verschwand sie.

Momos hockte verzweifelt auf einem Stein. Da hörte er ein flüsterndes Rufen im Schatten. Momos ging auf die Stimme zu und entdeckte Tethys, die in einer Ecke stand. Sie blickte auf, als er vor ihr stand und sagte: „Ich habe Hera gesehen, wie sie dich hier hinein geweht hat. Ich rette dich. Komm mit mir!“

Momos folgte ihr. Sie führte ihn durch Gänge, Tunnel und Höhlen. Tethys brachte Momos in eine Goldmine. Er fragte: „Was soll ich hier? Soll ich etwa einen Thron bauen?“

„Also, ich habe mir das so gedacht: Du machst einen Gegenstand und ich verzaubere ihn.“

Momos war begeistert. Er wusste auch schon genau, was er machen würde. Momos arbeitete drei ganze Tage lang. Dann hatte er einen wundervoll verzierten Kamm geschaffen, den Tethys verfluchen ließ. Er verpackte ihn und gab ihn Tethys, die ihn dann Hera als Geschenk gab. 

Hera war sehr geschmeichelt, als sie den Kamm sah. Am nächsten Tag kämmte sie sich mit dem Kamm von Momos, doch ihre Haare wollten und wollten nicht glatter werden. Also legte Hera den Kamm weg. Doch ihr Blick wanderte beim Bürsten immer wieder zu ihm und einmal hätte sie fast nach ihm gegriffen, denn Tethys hatte den Kamm verzaubert: Der Kamm macht einen immer hässlicher, aber man will ihn immer wieder in die Hand nehmen und wenn man ihn der Hand hat, will man ihn benutzen. 

Doch Hera ahnte, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging. Also gab sie ihn Pallas Athene, die ihn Tethys gab, die sich dummerweise damit jeden Tag kämmte, da sie ihn nicht erkannte. Sie hatte außerdem keinen Spiegel und so war Tethys nicht nur die Göttin Feuchtigkeit sondern auch noch die Göttin der Hässlichkeit. 

Doch Hera und Pallas Athene lachten und freuten sich wie nie zuvor.

Momos nörgelte seitdem nur noch im Verborgenen, damit ihn niemand hören konnte.

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