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Sprachbildung

Verantwortlich: Frau Brandstädter

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“

„The limits of my language are the limits of my world.”

“Granice mojego języka są granicami mojego świata.”

Dilimin sinirlari Dünyamin sinirlari demektir

Границы моего языка означают границы моего мира.

فإن حدود لغتي تعتبر حدود عالمي

Ludwig Wittgenstein (1889 -1951)

Seit Beginn des Schuljahres 2015/16 bin ich – Andrea Brandstädter – an der „Grundschule am Stadtpark Steglitz“ als Sonderpädagogin tätig.

Mein Arbeitsschwerpunkt ist die Sprachförderung, sie umfasst sowohl die gesprochene als auch die geschriebene Sprache.

Förderung der gesprochenen Sprache

Zur Zeit biete ich diese Förderung

  • für Erstklässler, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf im Förderschwerpunkt „Sprache“ haben (demnächst auch für Schüler/innen der höheren Klassen);
  • für ausgewählte Kinder aus allen 1. Klassen, die im Bereich „Sprache“ deutliche Defizite aufweisen. Dabei handelt es  sich um Schüler/innen, die entweder vom Schularzt oder der Klassenlehrerin empfohlen wurden, oder deren Schwächen bei der schulinternen Diagnostik „Zauberwald“ auffielen.

Jeweils in Kleingruppen von vier bis sechs Schüler/innen erhalten sie pro Woche eine Stunde Sprachförderung, die parallel zum Klassenunterricht stattfindet.

Wie läuft so eine Förderstunde ab?

  • Die Sprachförderung bei den jüngeren Kindern ist ausschließlich spielerisch aufgebaut. So stark spielerisch, dass eine Schülerin nach einer Stunde meinte: „Wir haben ja nur gespielt und gar nichts gelernt!“ …dabei hatte sie ganz viel gelernt und geübt, ohne es zu merken! 😀
  • Die Schüler/innen müssen im Verlauf dieser Stunde viel sprechen und zuhören. Die geringe Gruppengröße ist dabei Voraussetzung.
  • Der Stundenbeginn ist ritualisiert:
  1. Wir beginnen stets mit dem ausführlichen Datum, bei dem die Schüler/innen nicht nur die Tage benennen sollen, sondern im Wechsel auch Fragen stellen, z.B. „Welcher Tag war vorgestern? Welcher Tag ist übermorgen? Welches Wetter haben wir?…“ Fragen zu stellen, fällt den Kindern in der Regel ziemlich schwer und ist doch so wichtig für das Lernen!

1 2Datums- und Wettertafel  Quelle: www.zaubereinmaleins.de

  1. Training der Mundmotorik! In der Regel ist die Mundmotorik bei Sprachproblemen stark eingeschränkt; ohne zielgerichtete Stärkung der Muskulatur der Lippen und der Zunge kann sich daran nichts verbessern. Hier findet sozusagen ein Konditionstraining für die Aussprache (Artikulation) statt.

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Logo-Frosch; PROLOG, Therapie-und Lernmittel

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Quelle: Pustekuchen, Verlag: haba

  1. Training des Zuhörens und der auditiven Merkfähigkeit: Jedes Kind berichtet von einem schönen Ereignis der letzten Tage, und die anderen Schüler/innen müssen später die gehörten Erlebnisse wiedergeben. Dazu gehört eine große Portion Aufmerksamkeit und Wertschätzung untereinander. Dies ist für viele sehr schwer und muss geübt werden.

Die Schwerpunkte einer Förderstunde variieren von Stunde zu Stunde und sind in den unterschiedlichen Gruppen auch verschieden. Es können u.a. folgende Schwerpunkte sein:

  • Artikulationstraining (Erkennen und Sprechen)
  • Erkennen von Lauten
  • Wortschatzerweiterung
  • auditive Merkfähigkeit (z.B. gleiche Geräusche wiedererkennen; drei „Quatschsilben“ nachsprechen TO-PI-KA)
  • Erarbeitung und Übung von Sprachmustern, z.B. Verbendstellung:

                   „Das geht nicht, weil….. das Eigelb rund ist.

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Quelle: Hier stimmt ja fast gar nichts!: Das große Suchspaß-Wimmelbuch,  2010 von Ralf Butschkow

Als Arbeitsmittel werden unterschiedliche (Sprach-)Spiele und Bilderbücher abhängig von den Interessen und Möglichkeiten der Schüler genutzt. Aber auch andere Themen, wie z.B. die Jahreszeiten, werden sprachfördernd genutzt.

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Das Legen des Jahreskreises wurde erfolgreich geübt.

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Quelle: www.zaubereinmaleins.de

Dieser umfassende Bereich der Sprachförderung wird auch von meiner Kollegin, Frau Worch, mitgetragen (siehe auch ihren Bericht auf der Homepage unter „Inklusion“).

Förderung der geschriebenen Sprache

Für den Bereich der geschriebenen Sprache biete ich eine Lese-Rechtschreib- Förderung ab Klasse 3 an. An unserer Schule gibt es einen so großen Bedarf, dass nur Schüler/innen mit einer ausgewiesenen Lese-Rechtschreib-Schwäche („LRS“) nach einer schulinternen Überprüfung (s.u.) an der Förderung teilnehmen dürfen. Die Kinder werden dafür von ihren jeweiligen Fachlehrern gemeldet.

Es gibt Überlegungen, dass am Ende der 2., 4. und 6. Klassen alle unsere Schüler/innen mit der sogenannten Hamburger Schreibprobe (HSP) schulintern auf ihre Lese-Schreibschreib-Kompetenzen getestet werden.

Auch bei der schriftlichen Sprachförderung gilt das Prinzip der Kleingruppe, nur so kann eine intensive und schülerbezogene Förderung stattfinden.

Schwächen im Lesen und der Rechtschreibung können nur über gezieltes Schreiben und Lesen gemindert werden.

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Daher schreiben die Schüler/innen oft kurze eigene Texte, die sie dann anschließend überarbeiten. Dabei ist das Ziel, dass sie anhand ihrer (meist vorhandenen) Regelkenntnisse selbst in der Lage sind, ihre eigenen Texte zu korrigieren.

Um ihnen ihren Wissenserwerb und ihre Korrekturkompetenz zu verdeutlichen,  korrigieren die Schüler/innen ihre Texte mehrmals, z.B. nach einer Woche mit mehr Abstand, um sich im Bereich der Überarbeitung zu üben und zu erkennen, dass sie sich noch steigern können. Dies ist wichtig, um ihr schulisches Selbstbewusstsein zu stärken.

In Übungsphasen werden außerdem Rechtschreibregeln wiederholt und trainiert, die bereits im Klassenverband gelehrt wurden.

Spiele zur Konzentration, zum genauen Hören, zur visuellen und auditiven Wahrnehmung rahmen in der Regel eine Förderstunde ein.

Die allgemeine Sprachbildung soll in allen Fächern, in allen Klassenstufen und durch alle Lehrkräfte der Grundschule am Stadtpark Steglitz erweitert werden.

Dazu werden in den schulinternen Curricula (Lehrplänen) Möglichkeiten einer Förderung der unterrichtsbegleitenden Sprachbildung entwickelt. Langfristig werden sich im Rahmen externer Fortbildungen alle Fachbereiche dieses Themenbereichs annehmen.

A. Brandstädter (Februar 2016)